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"Horstopoly" - Seehofer brütet über CSU-Personaltableau

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Seehofer

Horst Seehofer ist in einer vermeintlich komfortablen Lage: Bayerns Ministerpräsident kann sich sein neues Kabinett nach Belieben zusammenstellen. Foto: Inga Kjer/Archiv

Da stehen sie, die kleinen Figuren. Ilse Aigner, Markus Söder, Christine Haderthauer, auch Horst Seehofer und viele andere CSU-Politiker mehr - lauter kleine Pappfiguren auf einer großen Bayern-Karte.

Daneben Felder für die einzelnen Ministerien. Und eines für Berlin. "Horstopoly" hat der Bayerische Rundfunk sein Spiel genannt, das dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten bei seinen Personalentscheidungen helfen soll.

Doch Seehofer will sich das Spiel, als er zur konstituierenden Sitzung der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag kommt, nicht aus der Nähe anschauen. Er mit seinen Ministern als Spielfiguren - diese Fernsehbilder will er vermeiden.

Dabei stellt das Spiel nur das bildlich dar, was Seehofer seit den Triumphen der CSU bei der Landtags- und der Bundestagswahl durch den Kopf gehen muss. Wer wird Minister in München? Wer neuer Fraktionschef im Landtag? Welcher CSU-Politiker wird in einer neuen Berliner Koalition Minister? Und ist der alte Generalsekretär auch der neue?

Von einem "Werkstück" spricht Seehofer, das er binnen zwei Wochen zustande bringen müsse. "Ich würde Sie gerne einladen, damit Sie sehen, dass das nicht so schön ist", sagt er vor Journalisten. Und diesen Satz sagt er immer wieder: "Alles hängt mit allem zusammen."

Im Brennpunkt des Interesses steht vor allem die Frage: Was wird aus Ilse Aigner? Wird die scheidende Bundesagrarministerin nach ihrer Rückkehr nach Bayern Fraktionschefin oder eine Art Superministerin?

Zunächst hatte es in der CSU-Fraktion die klare Prognose gegeben, dass Aigner die neue Vorsitzende wird. Ein Wechsel vom Bundes- ins Landeskabinett wäre schwieriger zu erklären, wurde da argumentiert.

Nun aber hat die CSU die absolute Mehrheit und damit die Alleinherrschaft in Bayern zurückerobert. Da ist das Amt des Fraktionsvorsitzenden längst nicht mehr so zentral wie in der schwarz-gelben Koalition zuvor.

Deshalb wird in der CSU nun so argumentiert: Wer Aigner etwas Gutes tun wolle, müsse ihr ein Ministerium geben, in dem sie öffentlichkeitswirksam agieren könne. Wichtige Projekte wie die Energiewende voranbringen, Gelder übers Land verteilen, oder auch in Berliner Talkshows auftreten. Von einem deutlich aufgemotzten Wirtschaftsministerium ist da die Rede.

Auch Aigner selbst habe jetzt die klare Präferenz, Ministerin werden zu wollen, heißt es nun. Denn die absolute Mehrheit der CSU bedeute ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten für das Kabinett. Sie selbst dazu sagt am Rande der Fraktionssitzung: gar nichts. "Es gibt nichts Neues", sagt sie - und geht schnell weiter.

Überhaupt: Öffentlich äußern will sich in diesen Tagen niemand, vor allem keiner der Betroffenen. Schließlich hat Seehofer ein striktes Spekulationsverbot erteilt. Auch Staatskanzleichef Thomas Kreuzer, der als neuer Fraktionsvorsitzender gehandelt wird, sagt lediglich knapp: "Wir müssen noch eine Woche warten."

Am Dienstag kommender Woche will Seehofer entscheiden, wen er für die Fraktionsspitze vorschlägt. Die Wahl ist. Und dann soll es schneller gehen als bisher geplant: Bereits am 8. Oktober, einen Tag nach der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags, will Seehofer sich wieder zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Dann will er binnen zwei Tagen sein Kabinett vorstellen, das am 10. Oktober vereidigt werden soll. Er will den Kopf freihaben für Berlin, wo er nach eigener Aussage schwierige Koalitionsverhandlungen erwartet.

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